Runen in der schamagischen Arbeit

DSC_0249_HDRps_FBViel ist schon geschrieben worden über Herkunft und Bedeutung der Runen. Es ist ein sehr spannendes und geheimnisvolles Forschungsfeld, mit dem man sich, wenn man ernsthaft die Runen studieren will, unbedingt ebenfalls beschäftigen sollte.

Meine neuen RunenAber ich möchte heute, in diesem Artikel, nicht so viel über die historischen und inschriftlichen Fakten, die uns überliefert sind, schreiben, sondern über meine persönliche Erfahrung und meinen persönlichen Weg mit den Runen.

Als ich vor Jahren damit begann mich ernsthaft mit den Runen (dem 24er, älterem Futhark) auseinanderzusetzen tat ich dies, zumindest vorerst, nicht mit Büchern, Sagas, Quellen und Interpretationen anderer bewaffnet, sondern ich näherte mich ihnen visionär, mit Hilfe der schamanischen Reise.

Im Verlauf einiger Monate, ja eigentlich Jahren, bereiste ich immer wieder einzelne Runen oder auch die Gesamtheit des Systems Runen… Mein persönliches, visionäres Erleben der Runen aber auch die Erfahrung der Runenenergien selber, ganz direkt in meinem Leben, in der Invokation, der Evokation,  während des Runen-Stellens etc.  glich ich dann immer wieder ab mit den Ergebnissen Anderer, seien es nun wissenschaftliche – , archäologische- , etymologische oder auch magische Studien und Erfahrungen anderer Praktiker. Dies hat mir einen wahren Schatz an Erkenntnissen gebracht, den ich immer noch nicht in seiner Gänze gehoben habe. Wie es aussieht werden mir die Runen noch genug Stoff und Geheimnis bieten für ein ganzes Leben des Lernens und darüber hinaus…

Ich habe auf diese Weise viel gelernt, über mich, das Universum, meinen Platz darin und die nordische Mythologie.

Ein wenig möchte ich Euch an diesen Erfahrungen teilhaben lassen…

Viele reduzieren dieDSC_0387ps_FB Runen zu einem „Orakel-Spiel“ mit dem sie in die Zukunft blicken wollen oder auch zu einem bloßen „Zaubersystem“ mit dem der geübte Schamagier sich Gesundheit, Kraft und Wohlstand ins Leben „zaubern“ mag.

Ich habe die Runen jedoch nicht als etwas derart simples und manipulatives erlebt, sondern als äußerst komplexes, mythisches, kraftvolles, magisches und weises Gesamtwerk in dem sich das gesamte Universum in nur 24 Zeichen spiegelt.

Dieses Spannungsfeld aus Einfachheit (nur 24 Zeichen) und Komplexität (das gesamte Universum, ja das Wyrd als ganzes) machen die Runen so kraft- und geheimnisvoll, aber während der schamanischen Reise, des Seelenfluges auch so überaus leicht zugänglich.

Jede Rune ist äußerst vielschichtig –  in ihrer Bedeutung aber auch in ihren Verwendungsmöglichkeiten. Eine jede Rune enthält einen ganzen Schatz an Weisheiten über das Leben, die Welten, das Wyrd und über die Möglichkeiten die uns offenstehen, über die Herausforderungen die es zu bestehen gilt.

Gerade der scDSC_0249_HDRps_FBhamanisch, visionäre Weg oder Zugang zu den Runen, ist meiner Ansicht nach, der Schlüssel zu ihrer wahren Bedeutung und Kraft.

Selbst die Entstehung der Runen, wie sie uns in der Edda, im Havamal, beschrieben wird ist eine zutiefst schamanisch, visionäre Geschichte, die außerdem andeutet das die Runen schon wesentlich älter sind:

Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
Neun lange Nächte,
Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.

Sie boten mir nicht Brot noch Met;
Da neigt ich mich nieder
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
Endlich fiel ich zur Erde.

Hauptlieder neun lernt ich von dem weisen Sohn
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
Und trank einen Trunk des teuern Mets
Aus Odhrörir geschöpft.

Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,
Wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

Runen wirst du finden und Ratstäbe,
Sehr starke Stäbe,
Sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,
Sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Riesen, den Alfen Dain,
Dwalin den Zwergen,
Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.

Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten?
Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten?
Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll?

Besser nicht gebeten, als zu viel geboten:
Die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt;
So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern.
Dahin entwich er, von wannen er ausging.

(aus der Liederedda, Havamal, Odins Runen-Lied, nach der Karl Simrock Übersetzung)

DSC_0083_4_5_HDRps_FBHier wird beschrieben wie der „ultimative“ Schamane/Schamanengott Odin, sich selbst verletzt und unter Schlaf- und Nahrungsentzug in einen Baum hängt um dann in Trance und Vision die Weisheit der Runen zu lernen.

Wie können wir da erwarten nur durch bloßes Auswendiglernen und gelehrtes Lesen hinter das Geheimis der Runen kommen?

Die 24 Runen des älteren Futharks sind eine sehr alte (einige Zeichen sehen wir schon auf den Höhlenbildern von vor 30 000 Jahren) und vollständige Weisheitslehre, die sich dem der es wirklich will, in der Vision, beinahe von selbst erschließt.

wyrd

Das gesamte Wyrd, mit allem Wissen um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – der Inhalt aller Welten und aller Mythen, sind in diesen wenigen Zeichen enthalten. Durch die schamanische Arbeit mit den Runen, die tiefe Versenkung in sie,  kann sich dem schamagischen Praktiker eine ganz neue Sicht auf diese und die anderen Welten eröffnen. Die Runen sind aber auch ein vollständiges, magisches System, mit dem sich einzelne Begebenheiten beeinflussen lassen, mit denen äußerst kraftvoll gezaubert werden kann. Sie können genutzt werden für die Divination, als Orakel aber genauso sind sie Schriftzeichen; sakral aber auch profan und  auch dies gehört zur „Gesamtheit“ der Runen… sie sind nicht „nur“ heilig sondern eben auch „gebrauchsfertig“ und praktisch.

Die Kraft der Runen erfordert Fokus, Absicht und Willen um ihren Zauber freisetzen zu können:

„Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten?
Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten?
Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll? „

Obwohl also die Runen, wie wir sie heute kennen und erforschen, uns von den „alten Germanen“ überliefert sind und sich über diese und ihre Mythen, auch ein guter Zugang zu ihnen finden lässt, ist das System „Runen“ und viele der Runen – Zeichen um ein wesentliches älter und universeller.DSC_0256_7_8_HDRpsfs5FB

Der „Weg der Runen“ als europäischer Weg der Einweihung, ist sicher kein ganz einfacher und erfordert, wie alle Einweihungswege, eine gewisse Hingabe und Vertrauen in die geistige Welt und unsere Verbündeten aber ich für meinen Teil, kann nur sagen es lohnt sich ihn zu gehen.

Im Mai diesen Jahres gibt es die Möglichkeit bei mir ein Seminar zur Schamanischen Runenarbeit zu besuchen. Wir werden uns während des Seminars mit den verschiedenen Aspekten der Runenarbeit beschäftigen aber auch unser eigenes Runenset fertigen und weihen. Gerne kann natürlich auch ein eigenes Set mitgebracht werden, sofern vorhanden.

Zum Seminar:

http://www.tunritha.de/rabenschwingen.html

 

Literaturliste Runen:

Runenkunde – Klaus Düwel

Das Runen-Wörterbuch, Abstammung und Begriffsbildung der ältesten Sprachdenkmäler Skandinaviens – Dr. Udo Waldemar Dieterich

Runengedichte – Texte, Untersuchungen und Kommentare zur gesamten Überlieferung – Alessia Bauer

Helrunar – Ein Handbuch der Runenmagie – Jan Fries

Die Blätter von Yggdrasil – Runen, Götter , Magie – Freya Aswynn

Die Edda

Die Islandsagas

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