Was ist Schamanismus? Was ist ein Schamane? Was gehört in eine schamanische Ausbildung?

Ein Leitfaden für Suchende….

Was ist eigentlich Schamanismus oder schamanisch?

Ein weltweites, zeit- und kulturübergreifendes, religiöses oder weltanschauliches Phänomen. Es ist eine Form religiöser Wahrnehmung und Praxis. Es ist wohl die älteste und ursprünglichste Lehre der Menschheit, um  Heilung und Unterweisung in allen nur denkbaren Lebensbereichen zu erhalten.

Wirklichkeit zum Wohle wandeln. (Katrin Uhl )

Zum Schamanismus gehört die Wahrnehmung der Welt, des Universums und alles was in ihm ist als beseelt oder be-Geistert.

Alles was ist hat auch Seele oder Geist und mit all diesen „Geistern“ kann auch in Kontakt getreten werden.
Neben der Überzeugung dieser Lebendigkeit und Beseeltheit von einfach Allem, gehört zum Schamanismus auch die Überzeugung das es neben der materiellen Welt, dem materiellen Universum, noch andere Ebenen oder Welten der Realität gibt. Diese Welten oder Ebenen können je nach Richtung ganz unterschiedliche Namen haben: Nicht-alltägliche-Wirklichkeit, Anderswelt, geistige Welt  und noch viele Andere Namen.  Sie werden von weiteren Geistern oder Spirits bewohnt und sind dem kundigen Menschen mittels der schamanischen Reise, dem Seelenflug, zugänglich und erfahrbar.

Beseeltheit der Welt, Geister, absichtliche und kontrolierte Bewusstseinswechsel, Anderswelt und Seelenflug sind die zentralen Elemente in jedem der vielen Schamanismen der Welt

Ein schamanisches Weltbild zu haben oder die Welt auf schamanische Weise wahrzunehmen, ist nicht gleichbedeutend damit ein Schamane zu sein.

Was ist ein Schamane?

Schamanen sind vor allem „Geister- und Anderswelt-Experten“ und stehen mit ihren Geistern und denen ihres Landes in Kontakt, mit ihrer Umgebung, der Natur und der Welt an sich, genau wie mit Göttern, Ahnen, Krafttieren oder Schutzgeistern.

Sie transferieren Kraft aus der Anderswelt ins Diesseits und manifestieren damit spürbare, positive Veränderungen für ihre Familie, ihre Gruppe, ihre Klienten…
Heute wie vor 10.000 Jahren sind die Schamanen „Zaunreiter“ zwischen den Welten, die bei allem, was sie tun, immer auch die Anderswelt und die Geister im Blick haben.

Ganz grob ziehe ich die Grenze zwischen Schamane und schamanisch Praktizierendem bei der Art der Arbeit…. arbeitet jemand hauptsächlich für sich und für die eigene „Nabelschau“ (Lehrersuche, Krafttiersuche, das eigene Selbst in der NAW verorten etc.)?

Dann ist es eher schamanisch Praktizierend ODER kommen tatsächlich Aufgaben und Klienten zu jemandem… Gibt es Aufträge von Außen, von den Geistern und/oder Mensch und Tier? (und können diese auch erfüllt werden) Da wird für mich die Grenze zum „Schamanen“ überschritten… Es ist also eher eine Frage der Verantwortlichkeit – Übernehme ich nur für mich oder auch für andere eine (spirituelle) Verantwortung zum Wohl und Wehe?
Schamanen werden gleichermaßen von den Geistern, ihrer Gruppe/Familie/Stamm, anderen Schamanen berufen, erkannt und als solche (oder mit dem regional gebräuchlichen Ausdruck) bezeichnet. Keine Ausbildung, kein Kurs, kein Lehrer kann einen Anderen Menschen zum Schamanen machen. Dies kann nur der Mehrklang der Ernennung von Gruppe (Stamm/Familie) und Geistern sowie der Annahme dessen durch  das eigene ICH.

Eine Schamanin  ist (meiner Auffassung/Definition nach) eine Geister- und Anderswelt-Expertin, jemand der absichtlich und kontroliert ihren Bewustseinszustand ändern kann, in Trance während des Seelenfluges die Anderswelt bereist, mit Hilfe von geistigen Verbündeten tatsächliche Veränderungen im Hier und Jetzt bewirkt, zum Wohle ihres Stammes bzw. ihrer Familie. Sie wird entsprechend von Stamm, Familie und Geistern „Schamanin“ genannt (oder mit einem beliebigen regionalen Ausdruck dafür) und hat dies auch für sich selbst angenommen.

Ausgehend davon:

Was gehört mindestens in eine schamanische Ausbildung?

Was sollte unbedingt zu einer schamanischen Ausbildung dazugehören? Welche Mindest-Inhalte sollte ein Basis-Kurs, eine Einführung oder auch eine umfangreiche Ausbildungsreihe, egal welcher schamanischen Ausrichtung oder Schule, enthalten?

Worauf solltet Ihr achten?

  • Theoretische und praktische Grundlagen zur drogenfreien Trance und Tranceinduktion
    • Trance und willentliche Bewusstseinsveränderung sind eine Grundlage jeder schamanischen Tätigkeit
    • Praktische Übungen, Tranceerfahrungen, zumindest ein bisschen Theorie, Unterschiede zu Meditation und z.B. geführten Traum- oder Fantasiereisen
  • Grundkenntnisse der schamanischen Reise/Seelenflug
    • Praktische Erfahrungen
    • zur schamanischen Arbeit gehört die schamanische Reise, d.h. das Verlassen dieser alltäglichen, normalen Wirklichkeit und das Eintreten, Erkunden dahinter liegender Wirklichkeiten.
    • Dem Seminar- oder Kursteilnehmer sollte vermittelt werden wie er selbstständig und selbstbestimmt diese Reisen unternimmt. Die geführte Reise sollte eine Ausnahme sein, nicht die Regel.
  • Verbündete wie Schutzgeist, Krafttier, Lehrerspirit etc.
    • Dem Teilnehmer des Kurses wird theoretisch und praktisch vermittelt wie er selber geistige Verbündete findet und den Kontakt zu diesen aufbaut und sucht.
  • Die Geister, Spirits etc. sind die eigentlichen Lehrer des Teilnehmers.
  • Schamanische Praxis ist Selbstermächtigung und fördert eine eigenständige und selbstbestimmte Spiritualität
    • Die Deutungshoheit über gemachte Erfahrungen und Visionen liegt immer beim Erlebenden nicht beim Lehrenden oder anderen Teilnehmern.
    • Übergriffigkeiten, Fremdbestimmung jeder Art sind abzulehnen
  • Die Schamanische Kosmologie – Ebenen der Wirklichkeit
    • Es gibt nicht DIE eine schamanische Kosmologie. Jedoch wird dem Teilnehmervermittelt wie er zu seiner, persönlichen schamanischen Kosmologie kommt und es werden Beispiele unterschiedlicher schamanischer Kosmologien genannt und vorgestellt.
    • Dem Schüler wird für den Beginn ein bestimmtes Koordinatensystem, ein schamanisches Paradigma, vorgestellt.
  • Grundlagen des Schamanischen Weltbildes
    • Alles ist beseelt
    • Spirits/Geister/Verbündete werden nicht als innere Prozesse oder Archetypen gesehen sondern als eigenständige Entitäten.
  • Schamanisches Wirken, Ausbildungen, Seminare führen nicht unbedingt dazu das man ein „Schamane“ wird. Man kann schamanisch Praktizieren und den Schamanismus in sein Leben und seinen Alltag einbinden ohne Schamane zu sein.
  • Den einen richtigen Schamanismus gibt es nicht, sondern nur viele verschiedene Schamanismen.

Dieser Artikel spiegelt selbstverständlich vor allem meine persönliche Meinung aber nochmal:  Die Beseeltheit der Welt, Geister, absichtliche und kontrolierte Bewusstseinswechsel, Anderswelt und Seelenflug sind die zentralen Elemente in jedem der vielen Schamanismen der Welt  –  Ohne diese Punkte, ist das was jemand macht möglicherweise immer noch wertvoll, immer noch kraftvoll, immer noch spirituell ABER es ist dann KEIN Schamanismus.

Mir sind leider schon viel zu viele Teilnehmer angegblicher schamanischer Kurse begegnet, die keine Ahnung und Erfahrungen von und mit bewusster Trance hatten und  die nicht einen Spirit oder Geist sicher auf ihrer Seite wussten…

Es gibt viele tolle schamanische Kursleiter und Workshop-Anbieter. An vielen Orten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz (und natürlich auch in vielen anderen Ländern) gibt es wunderbare Leute die Euch gerne einführen in die Grundlagen der schamanischen Praxis, mit sogenannten „schamanischen Basis-Seminaren“ oder ähnlichem. Ich hoffe dieser Artikel gibt Euch ein paar Anhaltspunkte  worauf Ihr achten solltet, bevor Ihr Euch in das Abenteuer „Schamanismus“ hineinstürzt.

(Anette Baumgarten – Schule für europäischen Schamanismus – www.tunritha.de)

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